Als Numismatikerin und Sammlerin stoße ich immer wieder auf die Frage: Wie viel Silber steckt wirklich in dieser Münze? Nicht jeder hat Zugang zu einem Röntgenfluoreszenz-Gerät (XRF) oder einem chemischen Labor. Deshalb stelle ich hier vier praktikable Methoden vor, mit denen man den Silbergehalt relativ zuverlässig einschätzen kann — ganz ohne teure Laborgeräte. Ich erkläre, wie sie funktionieren, worauf man achten muss und welche Fehlerquellen es gibt.

Der einfache Blick: Prüfzeichen, Münzbeschaffenheit und Kontext

Bevor man zu Werkzeugen greift, lohnt sich stets eine visuelle und kontextuelle Analyse. Viele Münzen tragen Prüfzeichen, Stempel oder Jahresangaben, die den Metallgehalt verraten können (z. B. „900“, „835“, „800“). Zusätzlich geben Ausprägung, Kantung und Patina Hinweise:

  • Prüfnummern auf der Rückseite oder im Rand deuten häufig auf Legierungen hin.
  • Die Patina: Reines Silber neigt zu charakteristischer Anlauffärbung; stark grünliche Korrosionsspuren deuten eher auf Kupferanteile.
  • Der Rand: Bei vielen älteren Münzen sieht man an den Schnittspuren, ob das Stück hohl oder massiv ist — massives Silber klingt anders.
  • Der große Vorteil dieser Methode ist, dass sie sofort anwendbar ist. Der Nachteil: Fälschungen oder nachträgliche Stempel können täuschen. Deshalb immer mehrere Indizien zusammentragen.

    Der bis-Mess-Test mit dem Dichteprinzip (Wasserverdrängung)

    Das Dichtemessen ist meine bevorzugte Low-Tech-Methode: Silber hat eine spezifische Dichte von etwa 10,49 g/cm³ (reines Silber, Ag). Durch sorgfältiges Wiegen und Abmessen des verdrängten Wasservolumens lässt sich die Dichte eines Objektes errechnen und daraus auf den Silberanteil schließen.

    So gehe ich vor:

  • Ich wiege die Münze auf einer feinen Waage (Min. 0,01 g Genauigkeit).
  • Ich fülle ein Messzylinder mit Wasser und notiere das Volumen (z. B. 50,00 ml).
  • Ich hänge die Münze an einem feinen Faden und lasse sie vollständig eintauchen (ohne den Boden zu berühren). Das neue Volumen minus Ausgangsvolumen ergibt das verdrängte Volumen in ml (= cm³).
  • Dichte = Masse (g) / Volumen (cm³). Die ermittelte Dichte vergleiche ich mit bekannten Werten (z. B. 10,49 für Ag 999, für Silberlegierungen entsprechend niedriger).
  • Vorteile: preisgünstig, relativ präzise bei sauberer Durchführung. Nachteile: Empfindlich gegenüber Luftblasen, krummen Formen oder inneren Hohlräumen. Kleinere Münzen liefern ungenauere Ergebnisse, wenn die Waage oder der Messzylinder nicht ausreichend genau sind.

    Der Klangtest und das einfache Anschlagen

    Für viele Sammler ist der Klangtest ein klassischer Prüfstein. Ich nutze ihn gern als Screening-Methode, vor allem bei Silberbarren oder dicken Münzen.

  • Silber erzeugt beim Anschlagen (z. B. mit einem Metallstift auf einen kleinen Holzblock) einen klaren, langanhaltenden Ton.
  • Kupfer oder Nickel klingen dumpfer; hohle oder verkupferte Stücke klingen kurz und metallisch ohne langen Nachhall.
  • Praktische Tipps:

  • Vergleiche immer mit einer Referenzmünze bekannter Legierung (z. B. einem Silber-Krone in 900/1000).
  • Nutze Holz oder Gummi als Unterlage, niemals Glas oder Keramik — sonst erhältst du verfälschte Klangbilder.
  • Der Klangtest ist schnell und intuitiv, aber sehr subjektiv und schlecht messbar. Er ersetzt keine quantitative Bestimmung, ist jedoch ein gutes zusätzliches Indiz.

    Chemische Schnelltests: Säure- und Testplatten

    Für eine unmittelbare Indikation des Silbergehalts nutze ich manchmal chemische Tests, wie sie unter Schmuckprüfern oder in der Schrottbranche üblich sind. Zu den gängigen Mitteln gehören Testplatten (Touchstone) und Prüf-Säuren (z. B. von Marken wie Stannor oder Sigel). Diese Tests sind nur halb-destruktiv: man nimmt eine kleine abriebene Probe von der Münzkante oder vom Rand, reibt sie auf die Testplatte und gibt eine Tropfenprüfsäure dazu.

  • Die Reaktion (Farbwechsel, Auflösung) zeigt grob an, ob es sich um 925er, 800er oder kupferreiche Legierungen handelt.
  • Standard-Säuren sind für 375, 585, 800, 925 und 999 verfügbar; die Beschriftung der Resultate erfolgt durch Vergleich mit Farbkarten.
  • Vorteile: Schnell, kostengünstig und relativ verlässlich für grobe Einteilungen. Nachteile: minimal invasiv — die Abriebstelle bleibt sichtbar. Außerdem reagieren manche modernen Plattierungen oder Beschichtungen irreführend.

    Einfaches elektrochemisches Messgerät (kleines Ultrasonic / Leitfähigkeitsgerät)

    Neuere, günstige Messgeräte zur Leitfähigkeits- oder Voltendifferenz-Messung (z. B. kleine Taschen-XRF-Alternativen oder Widerstandsmesser für Metalle) können Hinweise liefern. Ich benutze gelegentlich ein Leitfähigkeitsmessgerät oder ein preiswertes „Metal Tester“-Gerät aus dem Schmuckbereich.

  • Die Geräte messen elektrischen Widerstand oder Potenzialänderungen, die bei unterschiedlichen Legierungen variieren.
  • Sie sind nicht so präzise wie XRF, liefern aber brauchbare Indikationen, ob ein Stück eher reines Silber, versilbert oder kupferreich ist.
  • Achtung: Diese Geräte müssen kalibriert werden und liefern nur relative Werte. Umso wertvoller sind Vergleichsmessungen mit Referenzmünzen.

    Tabelle: Kurzvergleich der vier Methoden

    MethodenBenötigtes MaterialGenauigkeitInvasivitätPraxis-Tipp
    Visuelle PrüfungLupe, LiteraturGering bis mittelNullMehrere Indizien kombinieren
    Dichte (Wasserverdrängung)Feine Waage, Messzylinder, FadenMittel bis hochNull8–10 Messungen mitteln
    KlangtestHolzblock, ReferenzstückNiedrigNullNur als Screening
    Chemischer SchnelltestTouchstone, Prüf-SäurenMittelGering (Abrieb)Nur Randproben, Schutzbrille tragen

    Wenn mir maximale Sicherheit wichtig ist — etwa bei teuren Einzelstücken — kombiniere ich mehrere Methoden: Zuerst visuelle Prüfung und Dichtebestimmung, dann bei Unsicherheit ein Säuretest an einer unauffälligen Stelle. Für besonders wertvolle oder historische Stücke empfehle ich, ein Labor mit XRF oder eine professionelle Restauratorin hinzuzuziehen.

    Wenn Sie möchten, kann ich in einem späteren Beitrag Schritt-für-Schritt-Fotos zur Dichtemessung und zur Durchführung eines Säuretests zeigen — oder ich bespreche konkrete Beispiele aus meiner Sammlung. Schreiben Sie mir gern, welche Methode Sie bevorzugen oder welche Münze Sie prüfen möchten.