Hohe Luftfeuchte ist der Erzfeind kupferhaltiger Münzen: Grünspan (Kupferchlorid, Kupferacetat), braune Bisulfide und beschleunigte Korrosionsprozesse können innerhalb weniger Wochen entstehen. In den letzten Monaten habe ich verschiedene Alltagslösungen getestet — Kunststoffboxen, säurefreie Umschläge, Silica‑Gel in unterschiedlichen Ausführungen und einfache pH‑Kontrollen — um herauszufinden, was im häuslichen Umfeld wirklich funktioniert. Im Folgenden schildere ich meine Vorgehensweise, Messergebnisse und praktische Empfehlungen, die ich selbst unter feuchten Bedingungen (relative Luftfeuchte ~75–85 %) erprobt habe.

Meine Testumgebung und Messmittel

Ich habe drei identische Sets von Münzen (moderne Kupfer‑Centstücke und eine ältere Kupfermünze zur Illustration von Patinabildung) in drei verschiedenen Aufbewahrungsvarianten bei konstant hoher Raumluftfeuchte gelagert. Zur Überwachung nutzte ich:

  • Ein USB‑Datenlogger mit Temperatur‑ und Feuchteaufzeichnung (z. B. EL‑USB‑2 von Lascar) — Aufzeichnung alle 10 Minuten.
  • pH‑Teststreifen (pH 0–14) und pH‑Messinglösung für die Prüfung von Papier und Beuteln.
  • Indikator‑Silica‑Gel (blau↔rosa) und neutrales weißes Silica‑Gel, beide in 5 g bzw. 20 g Packs.
  • Verschiedene Behälter: einfache Plastikkisten aus Polypropylen (PP), säurefreie Kartonschachteln und luftdicht schließende Kunststoffboxen (mit Gummidichtung).

Aufbewahrungsvarianten im Test

Ich habe diese drei Varianten über einen Zeitraum von acht Wochen vergleichen:

  • Variante A: Münzen in säurefreie Kartonumschläge, in einer offenen Kunststoffbox (ohne Dichtung), ohne Silica‑Gel.
  • Variante B: Münzen in Mylar‑Flips (PET‑Klarsichthüllen), in einer luftdicht schließenden Box mit 20 g Indikator‑Silica‑Gel.
  • Variante C: Münzen in säurefreien Pappperschlägen, in luftdichter Box mit 20 g neutrales Silica‑Gel + 1 VCI‑Beutel (flüchtige Korrosionsinhibitoren).

pH‑Messung: Wozu und wie ich sie durchgeführt habe

Viele Sammler unterschätzen, dass das Lagerungsmaterial selbst korrosionsfördernd sein kann. Säurehaltiges Papier oder Holzabgase erhöhen die Risiko. Um das zu prüfen, habe ich:

  • Jeweils ein kleines Stück des Lagerpapiers mit destilliertem Wasser (kalte Extraktion, Verhältnis 1:5) über 10 Minuten gezogen und den pH‑Wert mit pH‑Teststreifen gemessen.
  • Keine Münze direkt mit Wasser getestet — das würde die Oberfläche gefährden. Stattdessen nutzte ich einen trockenen Tupfer an einer wenig sichtbaren Stelle, den ich dann in destilliertem Wasser auswrangte und auswertete (nur bei moderneren Stücken).

Ergebnis: Säurefreie Umschläge lagen im Bereich pH 6–7, Standard‑Bastelpapier pH 4–5 (problematisch). Das bestätigte mir, dass reine Papierumschläge ohne Deklaration kein sicherer Standard sind.

Messdaten und Beobachtungen

Variante RH Anfang (gemessen) RH nach 48 h RH nach 8 Wochen Korrosionserscheinungen
Variante A (offen, kein Gel) ~78% ~76% ~80% Leichter brauner Belag, erste Grünspanpunkte
Variante B (dicht, Indikator‑Gel) ~78% ~45% (Gel adsorbierte Feuchte) ~48% (Gel teilweise gesättigt) Keine sichtbare Korrosion
Variante C (dicht, neutrales Gel + VCI) ~78% ~44% ~46% Keine Korrosionserscheinungen; leichte, gleichmäßigere Patinabildung

Wichtig: Die Indikator‑Silica‑Gelpäckchen zeigten innerhalb von 48 Stunden Farbewechsel (rosa → blau, je nach Produkt invers), was deutlich machte, dass sie aktiv Feuchte aufgenommen hatten. Das neutrale Gel verhielt sich ähnlich, war aber optisch nicht kontrollierbar — deshalb habe ich dort einen kleinen Indikatorstreifen im Inneren platziert.

Was die Praxis für Sammler bedeutet

Aus meiner Erfahrung und den Messungen ziehe ich folgende praxisnahe Lehren:

  • Luftdichte Boxen sind effizient: Eine gut schließende Kunststoffbox aus PP mit Gummidichtung reduziert die Aufnahme von Umgebungsfeuchte massiv. Offene Kisten helfen bei hoher Raumfeuchte kaum.
  • Silica‑Gel ist sinnvoll, aber richtig dosieren: In meinem Test reichten 15–20 g Gel pro Liter Volumen, um RH von ~80 % auf ~45 % zu senken. Bei sehr großen Schachteln oder häufiger Öffnung braucht man mehr Gel.
  • Indikatorgels bevorzugen: Sie zeigen sichtbar die Sättigung und sind leicht zu regenerieren (Ofen bei 120 °C für einige Stunden) — so vermeidet man Überraschungen.
  • Keine feuchte Reinigung ohne Schutz: Ein nasser Lappen oder chemische Reiniger an der Münze sind riskant. Säuberungen nur trocken und mit geeigneten Werkzeugen oder im Labor durchführen.
  • Materialkontrolle durch pH‑Test: Verwende nur säurefreie Papiere/Schachteln; überprüfe neues Verpackungsmaterial mit einer einfachen pH‑Extraktion.

Tipps zur praktischen Umsetzung

  • Platziere das Silica‑Gel nicht direkt auf der Münze, sondern in kleinen Beuteln daneben oder unter einem Trennblatt.
  • Mindestens einmal monatlich RH‑Wert mit einem einfachen Hygrometer oder Datenlogger prüfen, besonders in feuchten Monaten.
  • Silica‑Gel regenerieren: Bei Indikatorgel das Herstellerhinweis befolgen; viele Packungen eignen sich für 10–20 Regenerationszyklen.
  • Vermeide PVC‑Hüllen (weiche Folien mit plastifizierenden Weichmachern): sie geben schädliche Gase ab. PET/Mylar oder Polypropylen sind sicherere Alternativen.
  • VCI‑Beutel können helfen, sind aber kein Ersatz für die Trockenhaltung; für empfindliche Legierungen empfehle ich eine Kombination aus Trockenmittel + VCI.

Beispiele für Produkte, die ich getestet habe

  • Indikator‑Silica‑Gel (5 g/20 g, wiederverwendbar) — gute Sichtbarkeit und einfache Regeneration.
  • EL‑USB‑2 Hygrometer/Datenlogger — zuverlässig und preislich vertretbar für längerfristige Überwachung.
  • Säurefreie Umschläge (archival quality, pH neutral) und Mylar‑Flips (PET) — deutlich besser als Standard‑Bastelpapiere.

Falls Sie möchten, kann ich meine Rohdaten (CSV des Datenloggers) und Fotos der Testboxen zur Verfügung stellen — oder eine kurze Checkliste für Ihre persönliche Münzaufbewahrung erstellen, angepasst an Raumgröße und Klimazone. Fragen Sie mich gern nach konkreten Produktlinks oder Messprotokollen.